Jahrtausende alte Tradition im Muotatal

Walter Imhof

Der Fund einer 3500 Jahre alten Wandscherbe eines Keramikgefässes liefert den bislang ältesten Hinweis auf eine alpwirtschaftliche Tätigkeit im Muotataler Alpgebiet. Solche Keramikgefässe werden mit der Alpwirtschaft in Zusammenhang gebracht und wurden beispielsweise für die Aufbewahrung und Verarbeitung von Milch eingesetzt. Aus der gleichen Zeit stammen mehrere Feuerstellen in Höhleneingängen und Balmen, die nicht nur auf die Anwesenheit urzeitlicher Jäger im Alpgebiet des Muotatals schliessen lassen. Der gesicherte Nachweis, dass Haustiere gehalten wurden, liefern Knochenfunde von Schaf, Ziege und Hausschwein aus der Zeit um 6oo v. Christus. Der Haushund wurde schon vor 2000 Jahren als Hütehund gehalten. Die Rinderhaltung ist im Muotatal anhand von Knochenfunden ab etwa 1000 n. Chr. nachgewiesen. Mit dem Auftreten von Rindern in den Alpentälern begann zudem eine rege Rodungstätigkeit. Die Rodung von Wäldern im Alpgebiet versprach zusätzliche Weiden, die im Gegensatz zur Ziegen- und Schafhaltung für die Sömmerung von Rindern benötigt wurden. Ziegen und vorwiegend Schafe wurden, wie schon bis anhin, zur Sömmerung auf die Urweiden oberhalb der Waldgrenze getrieben. In tieferen Lagen wurde auch die Waldweide weiterhin betrieben. Tiere wie Ziegen und Rinder liess man in den Wäldern weiden. Den Beweis dazu liefern Knochenfunde von Tieren, denen bei der Nahrungssuche die Tücken des bewaldeten Karstes zum Verhängnis wurden und oftmals in Löcher und Spalten fielen. Die Rodung von Wäldern zur Alpweidegewinnung hatte zur Folge, dass auch Behausungen für Mensch und Tier gebaut werden mussten. Über 250 abgegangene Alp-Siedlungsplätze und Gebäuderuinen, alpine Wüstungen genannt, existieren auf Muotataler Alpen und sind ein Hinweis auf einen schon vor Jahrhunderten stattgefundenen Strukturwandel in der Land- und Alpwirtschaft. Die ältesten bislang datierten Gebäudereste reichen zurück ins 10. und 11. Jahrhundert und konnten mit Hilfe von Ascheproben aus den Feuerstellen datiert werden. Diese alpwirtschaftliche Anlage befindet sich auf dem Schluchbüel. Dabei wird es sich um ein bedeutendes Alpzentrum gehandelt haben.

Dass auf den Alpen schon sehr früh Milchwirtschaft betrieben wurde, belegen die Kühlkeller (Milchhüttli), die notgedrungen zur Milchverarbeitung gehören. Die Älpler machen sich die aus Löchern und Spalten aus Höhlen aufsteigende Kaltluft zum Kühlen der Milch zu Nutze. Wo die aus dem Untergrund aufsteigende Kaltluft fehlte, wurde mehrheitlich mit Hilfe von Wasser gekühlt.

Da Milch und Käse nicht unter den gleichen Bedingungen gelagert werden können, war der Bau von Käsekellern unumgänglich. Diese fehlten ursprünglich beispielsweise auf der Hochebene der Bödmeren. Die Käsekeller wurden nach Möglichkeit in tieferen Lagen errichtet, wo die zum Reifen der Käse nötige Temperatur und Luftfeuchtigkeit vorherrschte. An Stellen also, wo trocken Luft dafür sorgte, dass die Käselaibe nicht nässten. Das bedingte, dass die Käse beispielsweise vom Wolfsbüel täglich hinunter ins Fedli zur Lagerung und Reifung in den Käsekeller getragen werden mussten.

Zweifellos ein langer Weg von der ersten Geiss auf Silberen bis zum weithin bekannten und überaus beliebten „Muotitaler Alpchäsmärcht“.