Grösste Alpkäserei der Zentralschweiz in Betrieb
 
Am 12. August wurde in Muotathal die grösste Alpkäserei der Zentralschweiz in Betrieb genommen. 24 Älpler liefern Milch in die „Mittst Weid“ an der Pragelstrasse.
 
Von Guido Bürgler / (gb)
 
MUOTATHAL. - Die „Alpprodukte Pragel-Bödmeren Genossenschaft“ wurde im Jahr 2007 gegründet. Sie beschloss, auf der „Mittst Weid“ – direkt an der Pragelstrasse – eine neue modern eingerichtete Alpkäserei zu erstellen, um die Alpmilch der Region zentral zu verarbeiten. Am 18. August 2008 erfolgte der Spatenstich, und kürzlich – am 12. August 2009 – konnte bereits mit der Produktion gestartet werden. Bauleiter Carlo Heinzer erklärte anlässlich der Inbetriebnahme, dass der Bau in verschiedener Hinsicht eine echte Herausforderung gewesen sei. Die mit Schindeln verkleidete Alpkäserei – sie liegt 1274 M.ü.M. - integriert sich sehr gut ins Landschaftsbild. Sie verfügt über eine top-moderne Produktions-Anlage (inklusive 4‘000-Liter-Käse-Kessi), einen grossen Käsekeller, eine heimelige Betriebsleiter-Wohnung und einen Verkaufsladen, der von Juni bis Mitte Oktober täglich geöffnet ist. Auf modernstem Stand sind auch die Holzfeuerungs-Anlage, die 14000 Liter fassenden Wasserreservoirs sowie das Dreikammer-Kläranlage-System. Die Baukosten belaufen sich auf 2.02 Mio. Franken, ursprünglich wurde mit 1.9 Mio. Franken gerechnet. Die Genossenschaft kann mit öffentlichen Geldern in der Höhe von 712‘000 Franken und einem Investitionskredit von 786‘000 Franken rechnen.
 
350‘000 Liter Alpmilch pro Sommer
 
Die Genossenschaft hat mit 24 Alp-Betrieben Milchlieferverträge abgeschlossen. Auch sechs Heim- und Weid-Betriebe werden ihre Bergmilch bei der Alpkäserei verarbeiten lassen. Betriebsleiter Toni Holdener-Müller war bei der Planung und Umsetzung des Projektes an vorderster Front dabei. Der erfahrene Alpkäser und Käsermeister ist motiviert und bestrebt, mit seiner Frau Vroni und der Teilzeitmitarbeiterin Sonya Kessler, qualitativ hochstehende Alpprodukte herzustellen. Für nächstes Jahr wird die Milchmenge auf 250‘000 Kilo Milch geschätzt, im Jahr 2011 wird mit 350‘000 Kilo, also ca. 35 Tonnen Alpkäse, gerechnet. Die Produktepalette geht aber weit über den reinen Alpkäse (mild/reif) hinaus, sie umfasst auch Bergkäse, Bergmilch-Raclette, Mutschli (nature/gewürzt), Geisskäse, Weichkäse, Rahmspezialitäten, Joghurt, Butter und Molkengetränke. Nebst dem eigenen Verkaufsladen wird im Restaurant auf der Pragelpasshöhe eine Aussenverkaufsstelle eingerichtet.
Die Älpler können sämtliche Milch oder nur einen Teil davon abliefern, und den Rest selber verkäsen. „Wir schätzen es auch, dass wir bei Krankheit oder Unfall unsere Milch spontan der Alpkäserei liefern können“,  erklärte „Tor“-Älpler Simon Schelbert. Als Dienstleistungen im Tourismusbereich sind Degustationen, Betriebsführungen, geführte Wanderungen im Alpgebiet und Bödmeren-Urwald vorgesehen. Im Winter bleibt die Alpkäserei geschlossen, das Betriebsleiterpaar wird die ausgereiften Produkte an die Kundschaft ausliefern.
Wer sich gerne selber ein Bild von der neuen Alpkäserei machen möchte, findet diese direkt an der Pragelpassstrasse, oberhalb des Weilers „Kreuz“ in Muotathal. Am Sonntag, 4. Oktober 2009, wird ein Tag der offenen Tür durchgeführt. Weitere Infos findet man unter: www.pragelboedmeren.ch.
 
Produktevielfalt steigt
 
Der Strukturwandel in der Land- und Alpwirtschaft geht unvermindert weiter. Vor allem bei einem Generationenwechsel stellt sich oft die Frage, ob man auch in Zukunft selber käsen möchte oder nicht. Vielfach sind die nötigen Investitionen und gesetzlichen Vorschriften schlichtweg eine zu grosse Hürde. Eine Möglichkeit, den Wandel aktiv mitzugestalten, besteht darin, die Milchverarbeitung auf den Alpen in grössere Einheiten zusammenzufassen, um rationeller und kostengünstiger zu produzieren. Deshalb wurde 2007 im Rahmen des Regio Plus-Projektes „Üses Muotital“ geprüft, ob der Bau einer zentralen Alpkäserei für das Gebiet Pragel-Bödmeren-Schwelaui neue Zukunftsperspektiven eröffnen könnte. Alle betroffenen Älpler und Landbesitzer wurden befragt. Neben mehrheitlich befürwortenden Stellungnahmen wurde auch Skepsis geäussert. Die Alpbetriebe müssten Eigenständigkeit abtreten, und die Produktevielfalt des Muotitaler Alpchäsmärchts könnte an Attraktivität einbüssen, wurde befürchtet. Doch Betriebsleiter Toni Holdener sagt zur Kritik: „Insgesamt wird die Vielfalt an Produkten aus der Region Pragel/Bödmeren sogar steigen, nicht sinken.“
 
 
Ein Freudentag: Nach 36 Vorstandssitzungen und über zehn Baukommissions-Sitzungen konnten nun die Verantwortlichen die neue Alpkäserei Pragel-Bödmeren in Betrieb nehmen. Von links: Carlo Heinzer (Bauleiter), Theodor Betschart (Kassier), Toni Holdener (Betriebsleiter), Simon Schelbert (Genossenschafts-Vizepräsident), sowie Michael Gwerder (Präsident). Bild Guido Bürgler
 
Betriebsleiter Toni Holdener in der modern eingerichteten Alpkäserei. Bild Guido Bürgler