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Ein Tagesablauf der Älplerin Hildegard Gwerder
 
Erschienen im Prospekt zum 12. Muotitaler Alpchäsmärcht im Jahre 2007.
 
Zu unserer Familie gehört mein Mann Adolf und unsere 4 Kinder im Alter zwischen 13 und 21 Jahren, welche täglich zur Schule, in die Lehre oder zur Arbeit gehen. Das Wochenende und die Ferien verbringen sie meistens auf der Alp. In ihrer Freizeit helfen sie uns oft im Haushalt, im Garten und in der Landwirtschaft.
 
Auf unserer Alp Waldi werden zirka 20 Kühe, etwas Jungvieh und ein paar Schweine gesömmert. Die Alpzeit dauert von Anfangs Juni bis Ende September. Die gesamte Milch wird zu Alpkäse und Butter verarbeitet. In der dazugehörigen kleinen Alpwirtschaft freuen wir uns über Gäste. Am Sonntag bin ich den ganzen Tag auf der Alp anzutreffen.
 
Da unser Pachtbetrieb im Tal nur knapp 5 ha umfasst, sind wir auf ein Nebeneinkommen angewiesen. Das ist unser Laden und meine Schneiderei. Im Erdgeschoss unseres Wohnhauses werden Haushaltartikel, Frischprodukte, Landwirtschaftsgeräte, Geschenkartikel etc. sowie auch unsere Alpprodukte verkauft. In der Schneiderei mache ich Flickarbeiten, Änderungen, Neu- und Spezialanfertigungen für Kunden. Als gelernte Schneiderin fühle ich mich hier sehr wohl.
 
Jeden Morgen kurz vor 05.00 Uhr läutet der Wecker - es ist Zeit, das Tagewerk zu beginnen. Während mein Mann die Kühe von der Weide holt, mache ich Feuer und rüste alles zum Melken. Gemeinsam binden wir das Vieh in den Stall, wo es von Adolf gemolken wird. Während dieser Zeit arbeite ich in der angrenzenden Hütte. Milch in den Mutten abrahmen und ins Kessi leeren, Käse vom Vortag aus den Formen nehmen, wiegen, beschriften und ins Salzbad legen, Butter herstellen, Kulturen fürs Käsen rüsten, Hausarbeiten erledigen. Zwischendurch trinke ich einen grossen Milchshake. Sobald Adolf die letzte Kuh gemolken hat, wird die erwärmte Milch von mir eingelabt. Das Milchgeschirr abwaschen - dann ist es um 07.15 Uhr Zeit, die knapp halbstündige Fahrt ins Tal unter die Räder zu nehmen.
 
Zuhause wird zuerst immer eine Wäsche eingeschaltet, anschliessend Hausarbeiten verrichtet. Bevor der Laden um 08.30 Uhr geöffnet wird, dusche ich noch. Bis 11.45 Uhr werden jetzt meine Kunden bedient. Sobald es die Zeit erlaubt, bin ich in der an den Laden angrenzenden Schneiderei tätig. Um 12.00 Uhr muss das Mittagessen für die Familie fertig gekocht sein. Ich koche so viel, dass unser Menü am nächsten Tag auch für Adolf reicht. Nach dem Mittagessen bin ich oft mit Gartenarbeiten beschäftigt. Ansonsten lese ich gerne die Zeitung.
 
Am Nachmittag von 13.30 Uhr bis 18.30 Uhr ist der Laden wieder offen. Dazwischen bin ich meistens am Nähen. Bei Erntearbeiten bleibt der Laden am Nachmittag zeitweise geschlossen.

 
Etwa gegen 19.00 Uhr fahre ich dann wieder auf die Alp. Gemeinsam nehmen wir das Nachtessen ein und erledigen noch die nötigen Arbeiten vor dem Feierabend. Die Ruhe und der Frieden auf der Alp - nach einem hektischen Tag im Tal - geniesse ich am Abend. Meistens gehen wir frühzeitig ins Bett, denn die Nacht ist kurz und die Arbeitstage im Sommer lang.

 
Hildegard Gwerder-Suter, Wilstrasse 4, 6436 Muotathal